…denn sie wissen nicht, was sie tun


Das Wehklagen über die geringe Rendite im Energieversorgungsnetz geht weiter:

Am 06. Juli 2011 hat der BDEW (nur für seine Mitgliedsunternehmen) ein Gutachten von Herrn Prof. Dr. Büdenbender veröffentlicht. Das Gutachten selbst habe ich noch nicht studieren können (kein Mitglied im BDEW…), aber die Mitteilung auf der Homepage vom BDEW spricht Bände:

So führten etwa die Begrenzung der Eigenkapitalquote auf 40 Prozent, das Fehlen eines Wagniszuschlages für Fremdkapital in der bisherigen Praxis der Regulierungsbehörden, der generelle sektorale Produktivitätsfaktor, die fehlende Anerkennung von Kosten durch die Regulierungsbehörden im Widerspruch zur höchstrichterlichen Rechtsprechung des BGH, eine fehlende oder begrenzte Anpassung von Differenzen zwischen Prognosewerten und tatsächlichen Werten hinsichtlich der Erlöse aus Netzentgelten zulasten der Netzbetreiber sowie schließlich die nur zeitversetzte Anerkennung von Investitionskosten bei der Bestimmung des Ausgangsniveaus für die Ermittlung der Erlösobergrenze zu der Abweichung zwischen normativ bestimmter und wirklicher Eigenkapitalbasis.

Ohne inhaltlich (jetzt) darauf eingehen zu wollen: Das Gutachten kommt etwas spät. Die Masse der geforderten Änderungen (in fett gedruckt) ist längst durchgesetzt worden und mittlerweile gängige Regulierungspraxis!

Netzbetreiber können also in jedem Fall die nominelle Rendite von 9,29% erzielen. Was davon zu halten ist, können Sie hier lesen. Oder einfach mal Ihren Bankberater fragen. Ich verspreche Ihnen, er wird glänzende Augen bekommen.

Advertisements

Für eine Handvoll Dollar Euro mehr


Ich hatte in dem gestrigen Artikel auf Forderungen der Netzbetreiber verwiesen, wonach (angeblich) die Eigenkapitalverzinsung steigen müsste, um notwendige Investitionen in deutsche Strom- und Gasnetze auf den Weg zu bringen.

Ein Blick auf jüngste Verkaufsprozesse zeigt jedoch deutlich das tatsächlich vorhandene Investoreninteresse an deutschen Energieversorgungsnetzen auf:

Interessanterweise erfolgten alle Übernahmen zum alten Regulierungsrahmen.

Die derzeit geltende Rendite war/ist offensichtlich so ansprechend, dass ein Bieterwettbewerb statt fand. Entgegen den Behauptungen des BDEW, ist die derzeitige Rendite also mehr als ausreichend.

Gleiches gilt für die Verteilnetzebene, wo der Trend zur Rekommunalisierung ungebrochen ist. Aber das ist Stoff für einen separaten Artikel.

Fehlende Investitionsanreize in deutsche Energienetze?


Die Herausforderungen mit Blick auf die Energiewende sind enorm. Die deutsche Energieversorgung steht vor einem Paradigmenwechsel: Weg von großen Kraftwerken, hin zu vielen kleineren, dezentralen Erzeugungseinheiten.

Doch findet Deutschland genügend Investoren für den notwendigen Umbau des deutschen Stromnetzes?

Anfang Juli ließ der BDEW über das Handelsblatt verlauten, dass die Renditen, die mit deutschen Energienetzen verdient werden (dürfen), im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich seien. Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wird vom Handelsblatt mit den Worten zitiert:

„Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, müssen sich die Investitionsbedinungen verbessern.“

Und weiter:

„Die Bundesnetzagentur sollte dies bei der neuen Festlegung der Zinssätze für die Gasnetze im Herbst und später auch für die Stromnetze unbedingt berücksichtigen.“

Mehr Geld wird also verlangt. Immerhin für den Betrieb eines natürlichen Monopols (keine Auslastungsrisiken, keine Währungsrisiken, usw.).

Zeit für einen Blick auf den aktuellen Stand: 9,29 % ist die derzeit geltende Eigenkapitalverzinsung für Neuanlagen für Strom- und Gasnetze in Deutschland. Nominell. Tatsächlich liegt die erreichbare Verzinsung deutlich über 11 %, wie auch die Bundesnetzagentur einräumt:

Das, so die Klage der Netzbetreiber, sei zu wenig, um das Investoreninteresse für deutsche Energieversorgungsnetze zu wecken.

Interessanterweise hat sich der Gesetzgeber schon dazu positioniert, wie hoch die Rendite sein soll, nämlich in § 21 Abs. 2 EnWG:

„Die Entgelte werden auf der Grundlage der Kosten einer Betriebsführung, die denen eines effizienten und strukturell vergleichbaren Netzbetreibers entsprechen müssen, unter Berücksichtigung von Anreizen für eine effiziente Leistungserbringung und einer angemessenen, wettbewerbsfähigen und risikoangepassten Verzinsung des eingesetzten Kapitals gebildet,…“

Die Frage der angemessen und risikoangepassten Verzinsung ist wiederum in § 7 Abs. 5 StromNEV aufgegriffen und näher erläutert worden: So sind unter anderem die

„Verhältnisse auf den nationalen und internationalen Kapitalmärkten“

zu berücksichtigen.

Werfen wir also einen Blick auf den Kapitalmarkt:

Ja, Sie sehen richtig: Am Kapitalmarkt bekommen Sie eine vergleichbare Rendite, wenn Sie in diese Griechenland-Anleihe investieren – mit einem „CC“-Rating von Standard&Poors, mithin also eine sogenannte Ramsch- oder Schrottanleihe („junk bonds“). Mit einem Ausfallrisiko, dass der Markt derzeit über 50% einschätzt.

Jeder Netzbetreiber protestierte wahrscheinlich auf das Heftigste, wollte man ihm unterstellen, er habe ein Insolvenzrisiko von über 50%. Im Gegenteil: Soweit Netzbetreiber über ein Rating verfügen, ist dieses üblicherweise ein „A“-Rating („investment grade“), vgl. Amprion oder auch Tennet.

Es bleibt also festzuhalten, dass die derzeitige Verzinsung mit Blick auf den Kapitalmarkt mehr als angemessen ist. Für eine Erhöhung ist angesichts dieser Kapitalmarktdaten sicher kein Raum.

Anbieterwechsel mit Zwischenstop?


Die Bundesnetzagentur hat eine Konsultation zur Anpassung der Festlegungen zum Lieferantenwechsel durchgeführt. Notwendig geworden ist diese Anpassung der Festlegungen zum Lieferantenwechsel durch europarechtliche Vorgaben, wonach der Lieferantenwechsel in den Bereichen Strom und Gas 3 Wochen nicht überschreiten darf.

Soweit, so gut.

Die Vorschläge der Bundesnetzagentur gehen jedoch weit über das erforderliche Maß hinaus, namentlich sollen die rückwirkenden Anmeldungen von Ein- und Auszügen abgeschafft werden. Konsequenz: Wenn Sie sich beim Umzug in die neue Wohnung nicht rechtzeitig um einen neuen Strom- oder Gaslieferanten kümmern, landen Sie in der Grundversorgung. Im Zweifel mit einem deutlichen Preisunterschied und auch anderen Produkteigenschaften (z.B. Ökostrom vs. Graustrom).

Nun könnte man entgegen, dass es schließlich Sache des Kunden ist, sich rechtzeitig um einen neuen Versorger zu bemühen. Sicher, das kann dem mündigen Bürger schon grundsätzlich abverlangen, nur… Hand aufs Herz: Notieren Sie sich bei jeder Wohnungsbesichtigung immer die Zählernummer? Für den Fall, dass dies Ihre neue Wohnung wird? In der Praxis dürfte kaum jemand Zugang zur Zählernummer vor dem Einzug in die neue Wohnung haben. Allerdings können Sie ohne Angabe der Zählernummer Ihrer neuen Wohnung keinen Strom- oder Gasvertrag abschließen. Ergebnis: Damit sind Sie dann automatisch erst einmal beim Grundversorger (und wenn Sie Pech haben gleich für 2 Monate, vgl. § 21 Abs. 1 StromGVV und § 21 Abs. 1 GasGVV).

Fazit: Verbraucherfreundlich (§1 Abs. 1 EnWG) und wettbewerbsfördernd (§ 1 Abs. 2 EnWG) sieht anders aus.

Netzentwicklungsplan 2012


Derzeit läuft bei der Bundesnetzagentur eine Konsultation zur Erstellung eines Netzentwicklungsplans nach § 12 a Abs. 2 EnWG (eine durchaus gelungene Neuerung des EnWG, wie ich finde). 

Dabei ist die interessierte Öffentlichkeit (ja, genau Sie) aufgerufen, bis zum 29. August 2011 eine Stellungnahme zum Szenariorahmen der 4 Übertragungsnetzbetreiber abzugeben.

Das Erstaunliche beim ersten Lesen des Szenariorahmens:

Für alle drei Szenarien wurden (bis auf bereits geplante Pumpspeicherkraftwerke) keine weiteren Speichermöglichkeiten in Deutschland angenommen. Dabei sollen doch nach den Vorstellungen der Bundesregierung bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren (und diese Zahl bezieht sich nur auf Fahrzeuge von deutschen Herstellern). Wie man lesen kann, speichern derzeit verfügbare Automodelle um die 24 kWh. Das wäre dann ein nicht berücksichtigtes Speichervolumen von 24 GWh. Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von rund 6.000 Familienhaushalten – eine Kleinstadt.