Let’s get together!


In Deutschland wird die Stromverteilung an den Letztverbraucher von über 900 Netzbetreibern (hier finden Sie eine Liste der BNetzA mit allen Stromverteilnetzbetreibern PDF) wahrgenommen. Eine vergleichbare organisatorische Zersplitterung gab es in Deutschland zuletzt in der Zeit vor der Zollunion – also Ende des 18. Jahrhunderts.

Diese Zersplitterung birgt zwei konkrete Probleme: Zum Einen müssen bundesweit agierende Lieferanten (wie mein Arbeitgeber) Verträge mit nahezu allen dieser Verteilnetzbetreiber unterhalten, jedenfalls immer dann, wenn die Lieferanten in dem jeweiligen Netzgebiet einen Endverbraucher versorgen wollen. Den bürokratischen Aufwand, fast 1.000 Verträge zu managen, kann vermutlich jeder erahnen. Der Kosten- und Ressourcenaufwand beim Stromlieferanten ist entsprechend beachtlich.

Auf der anderen (der Netzbetreiber-) Seite – und das ist das zweite konkrete Problem – lassen sich jedoch auch kostenerhöhende Effekte ausmachen: Die Rekommunalisierung führt dazu, dass die Anzahl der Verteilernetze immer größer und die Netze an sich immer kleiner werden. Durch diese Verkleinerung der lokalen Stromnetze werden positive Skaleneffekte bei den aufwandsgleichen Kosten (Personal und Material) minimiert oder gar aufgehoben. Der Betrieb und die Instandhaltung und Erweiterung des Stromnetzes werden teurer. Auch bei den Kapitalkosten ist eine Kostenerhöhung zu erwarten, da kleine Netzbetreiber (wie z.B. Stadtwerke) sich das Kapital nicht am Finanzmarkt beschaffen können, sondern auf regionale oder gar lokale Finanzgeber wie etwa Sparkassen angewiesen sind.

Das Ergebnis für den Stromkunden: Der Strompreis wird belastet durch die beiden beschriebenen Effekte.

Darüber hinaus unterliegt die Mehrheit dieser Netzbetreiber aufgrund ihrer geringen Größe nicht den Entflechtungsvorschriften, d.h. Vertrieb und Erzeugung sind im selben Unternehmen (dem Stadtwerk) untergebracht und nicht getrennt. Dies verschafft integrierten Unternehmen theoretisch die Möglichkeit, mittels vertikaler Marktmacht auf dem Gebiet des Netzes ihre horizontale Marktmacht auf dem Gebiet der Endkundenversorgung auszubauen. Und alle fragen sich, warum immer noch knapp 40% der Stromkunden in der teuren Grundversorgung verharren, vgl. Monitoringbericht 2012 der BNetzA, S. 121 (PDF).

Angesichts der Energiewende, die bereits im vollen Gange ist und welche ohne Zweifel ein äußerst herausforderndes Unterfangen ist, erscheint die Netzgebietsstruktur in Deutschland antiquiert – und den Herausforderungen durch die Energiewende unangemessen.

Ein Blick auf die europäischen Nachbarn bestätigt dies:

DSO_EU

(Quelle: EU Benchmarking Report 2010, Annex, S. 37)

Niemand in Europa unterhält eine solche Struktur.

Es gibt im Übrigen schon ein positives Beispiel für eine Kooperationspflicht auf Netzebene: Im Bereich Gas – die Zusammenlegung der Gasmarktgebiete führte überhaupt erst zu einer Entstehung des Wettbewerbs um die Endkunden.

Die Zersplitterung der deutschen Verteilernetze steht der Idee eines europäischen Binnenmarktes für Elektrizität diametral entgegen. Hier wartet eine zentrale Aufgabe auf den Gesetzgeber, von der nicht zuletzt auch ein Stück weit das Gelingen der Energiewende abhängen dürfte: Die Einführung einer Kooperationspflicht für die Verteilernetzbetreiber.

 

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