All Your EEG Belong To Us


Am Dienstag, dem 01. Juli 2014, 9 Uhr wird der  Europäische Gerichtshof in der Sache C-573/12 („Ålands Vindkraft“) ein Urteil verkünden. In dem Vorabentscheidungsersuchen eines schwedischen Verwaltungsgerichts geht es um die Frage, ob ein finnischer Windenergierzeuger (der in diesem Fall auch Zugang zum schwedischen Vertelnetz hat) Anspruch auf schwedische Grünstromzertifikate hat. Die schwedische Gesetzesregelung sieht dies nicht vor.

Der EuGH folgt in etwa 75% der Fälle den Schlussanträgen des Generalanwalts. Der hat in diesem Fall – aus deutscher Sicht – durchaus brisante Schlussanträge gestellt:

2.      Art. 34 AEUV steht einer nationalen Regelung, wonach Erzeugern von Strom aus erneuerbaren Energiequellen grüne Zertifikate erteilt werden, von denen Stromversorger und bestimmte Nutzer obligatorisch eine bestimmte Quote nach Maßgabe der von ihnen gelieferten oder verbrauchten Gesamtstrommenge zu erwerben haben, entgegen, soweit nach diesen nationalen Vorschriften Erzeuger von der Förderregelung ausgeschlossen sind, deren Anlagen im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats belegen sind.

3.      Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2009/28 ist ungültig, soweit er den Mitgliedstaaten die Befugnis verleiht, Erzeugern, deren Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats belegen sind, den Zugang zu ihren Förderregelungen zu versagen oder den Zugang dieser Erzeuger zu ihren Förderregelungen zu beschränken.

4.      Diese Ungültigkeit wird zwei Jahre nach der Verkündung des vorliegenden Urteils wirksam.

 

Zwar haben wir in Deutschland mit dem EEG kein Quotensystem zur Förderung Erneuerbarer Energien, sondern ein System, das (derzeit) auf Einspeisetarifen basiert.  Dennoch wird mit Blick auf die Nr. 3 der Schlussanträge deutlich, dass von diesem Urteil auch massive Konsequenzen für das deutsche EEG ausgehen könnten. Am 01. Juli 2014 wissen wir mehr.

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Don’t let the sun go down on me


Ich bin hier (PDF) auf eine interessante und leider auch alarmierende Präsentation des Fraunhofer ISIS gestoßen. Auf Seite 48 findet sich folgende Folie:

Solarprognose

Wie man anhand der Daten sehen kann, ist der Prognosefehler im Bereich Solar erheblich. Dies verwundert umso mehr, da aufgrund von Wetterdaten und der Kennntis über die installierte Leistung eine gute Prognose der Solarproduktion möglich ist.

Wer ist für diese Prognose zuständig?

Die Daten (PDF) der Übertragungsnetzbetreiber zeigen, dass im Jahr 2013 lediglich 4.200 MW der installierten PV-Leistung in der Direktvermarktung angemeldet waren. Wie der Name schon andeutet, ist bei der Direktvermarktung der Anlagenbetreiber (bzw. der von ihm beauftragte Direktvermarkter) für die Vermarktung des erzeugten Stroms und damit auch für die Prognose der Erzeugung verantwortlich. Die gesamte installierte PV-Leistung betrug in 2013 jedoch rund 35.700 MW, d.h. mehr als 30.00 MW an Leistung werden vom örtlichen Verteilnetzbetreiber abgenommen und müssen daher auch von diesem prognostiziert werden.

Hier besteht also dringender Handlungsbedarf, denn ohne eine gute Prognose der Erzeugung steigt der Regelenergiebedarf auf der Übertragungsnetzebene. Dies bedeutet höhere Kosten, die in die Netzentgelte einfließen, und nicht zuletzt auch steigende Black-Out-Risiken. Große Direktvermarkter nutzen bereits Prognosedienstleister, die anhand von Wetterdaten optimierte Erzeugungsprognosen erstellen. Gleiches wird man auch von den Verteilnetzbetreibern erwarten dürfen, zumal wenn der Anteil an der EEG-Erzeugung bereits 25% liegt.

 

 

Pacta sunt servanda


Letzte Woche auf einer Tagung von einer sehr glaubwürdigen Quelle gehört:

Brüssel habe ein Vorverfahren gegen Deutschland wegen einer Vertragsverletzung eingeleitet. Gemeint war das Dritte Binnenmarktpaket Strom und Gas.

Das gab es auch schon beim zweiten Paket und die Folge war ein neues (Sie ahnen es: das Dritte) Binnenmarktpaket.

Ein Viertes Binnenmarktpaket mit verbindlichen Unbundling-Vorschriften auch für Verteilnetzbetreiber mit weniger als 100.000 Kunden – das wär’s doch, oder?