And so it begins: Going Solar and cutting the cord


Wie die TAZ in einem Artikel vom 26.01.2015 („Fabrik ohne Anschluss ans Stromnetz„) schreibt, gibt es in Deutschland nun erste Stromversorgungsmodelle, die ohne Anschluss an das Stromnetz auskommen und dennoch wirtschaftlich sind.

Bei dem beschriebenen Gebäude handelt es sich um eine Gewerbeimmobilie, so dass das Energiekonzept etwas aufwendiger ist, aber es funktioniert:

 

Um zu allen Tageszeiten die einfallende Sonne nutzen zu können, wurden die Fassaden in alle vier Himmelsrichtungen mit Photovoltaikmodulen bestückt, die Nordseite des Gebäudes wurde vor allem aus optischen Gründen mit einbezogen. Auf dem Flachdach sind zudem Module aufgeständert, sie weisen nach Osten, Süden und Westen. „So reduzieren wir die Mittagsspitze und haben zugleich Erträge von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang“ sagt Widmann. Überschüsse an Solarstrom werden für trübe Tage in einer Blei-Gel-Batterie mit 400 Kilowattstunden Kapazität zwischengespeichert.

In der Jahressumme liefern die Solarmodule mit zusammen 112 Kilowatt Leistung rund 85.000 Kilowattstunden Strom. 50.000 davon benötigt die Fabrik mit ihren 30 Arbeitsplätzen, der Rest wird mittels Wärmepumpe zum Heizen oder Kühlen eingesetzt, ferner zum Betanken von Elektrofahrzeugen – schließlich kann die Firma ihre Überschüsse ja nicht wie andere ins Netz einspeisen. Für Situationen, in denen der Solarstrom nicht reicht, gibt es noch ein Biogas-Blockheizkraftwerk (BHKW), das Strom und Wärme bereitstellt.

 

Dies dürfte der Beginn eines Trends sein, der sich durch die sinkenden Preise für Batterielösungen noch deutlich verstärken wird.

 

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Was nicht erwähnt wird


Die Bundesnetzagentur hat ihren Bericht (PDF) zur Evaluierung der Anreizregulierungsverordnung (ARegV) veröffentlicht. Die ARegV legt fest, wie die Netzentgelte für die Strom- und Gasnetze gebildet werden. Die Vorschrift ist deshalb so wichtig, weil sie maßgeblich für die Höhe der Netzentgelte ist und gleichzeitig auch den Rahmen der Gewinnmöglichkeiten der Netzbetreiber bildet. Netzentgelte hatten in 2014 durchschnittlich einen Anteil von 22% am Strompreis für Haushaltskunden (siehe BNetzA-Monitoringbericht 2014, S. 170).

Der Bericht der Bundesnetzagentur enthält viele wertvolle Erkenntnisse und auch wichtige Verbesserungsvorschläge, aber eine Erkenntnis ist außen vor geblieben:

Die Netzbetreiber haben in den letzten Jahren außerordentlich gut verdient.

Eine Auswertung des DIW Econ im Auftrag der BNetzA (Folie hier) zeigt sehr auskömmliche Renditen:

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Die Grafik ist als solche schon auf den ersten Blick beeindruckend, aber zwei Dinge sind zusätzlich zu berücksichtigen:

Zum Einen sind die statistischen Ausreißer entfernt worden und zum Anderen wird nur das arithmetische Mittel dargestellt. Dies bedeutet, dass es Netzbetreiber in den Bereichen Strom und Gas gibt, die in den letzten Jahren deutlich mehr als 25% Eigenkapitalrendite erzielt haben. Ein Wert, für den Herr Ackermann als CEO der Deutschen Bank noch heftig kritisiert worden ist.

Ob derartige Renditen in einem regulierten Sektor angemessen sind, bedarf mE der wissenschaftlichen Diskussion. Die gute Nachricht: Die Transparenzvorschläge der BNetzA können die Basis für einen solchen wissenschaftlichen Diskurs schaffen.

Energiewende: Das nächste Level – Energy Storage


Via Twitter habe ich diesen Blogbeitrag von Ramez Naan aus dem Jahr 2013 gefunden: http://rameznaam.com/2013/09/25/energy-storage-gets-exponentially-cheaper-too/

Und diese Grafik aus dem Beitrag belegt eindrucksvoll die nächste Revolution im Bereich der Erneuerbaren:

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Batterien als Speicher für Erneuerbare werden immer günstiger und wirken für den Ausbau der Erneuerbaren wie ein Turbolader. Der Zeithorizont, den Ramez Naan hier nennt, ist beeindruckend :

A back-of-envelope says we need to bring the cost of energy storage down by another factor of 10 in order to make grid-scale storage cheap enough to displace most fossil use for electricity. On current trend, it looks like we’ll be there in the next 15-20 years.

Der jüngste Blogbeitrag von Tesla Motors stützt diese These: http://www.teslamotors.com/blog/roadster-30. So schreibt Tesla:

The original Roadster battery was the very first lithium ion battery put into production in any vehicle. It was state of the art in 2008, but cell technology has improved substantially since then. We have identified a new cell that has 31% more energy than the original Roadster cell. Using this new cell we have created a battery pack that delivers roughly 70kWh in the same package as the original battery.

In gerade einmal 6 Jahren hat Tesla die Batterietechnik um 31% verbessert! Und Tesla ist natürlich nicht der einzige Player im Bereich Speichertechnik. Es sieht ganz danach, als machten sich die Batteriespeicher auf den Weg in den Mainstream. Wie das Handelsblatt berichtete, sind in 2014 bereits über 10.000 Batterien in Kombination mit PV-Anlagen installiert gewesen, mehr als doppelt so viele wie in 2013. Dieser Trend dürfte sich in den nächsten Jahren noch einmal deutlich verstärken und schafft so ein ganz neues, dezentrales Versorgungsmodell. Die Kombination aus PV-Anlage und Batterie ermöglicht eine Eigenversorgung von 60% und mehr, je nach Größe der installierten Komponenten. Aber eins wird sichtbar:

Das Netz wird Wettbewerb durch die Eigenversorgungsmodelle bekommen.

Die eiskalten Bremer


Man könnte glauben, dass die Feststellung, die Energiewende umfasse die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität, sei mittlerweile so etwas wie ein Allgemeinplatz geworden. Jeder habe verstanden, dass der CO2-Ausstoß verringert werden muss und ein entsprechender Umbau der Energieversorgung notwendig ist.

Doch es scheint, als tanzten die Bremer zu einer etwas anderen Melodie: Im Bremischen Energiegesetz (BremEG) ist in § 19 tatsächlich der Neueinbau von elektrischen Heizungen verboten.

Eine Frage, liebe Bremer: Wenn wir dann in den kommenden Jahren die Stromerzeugung sukzessive auf Erneuerbare umgestellt haben, wie wollen Sie dann heizen – mit fossilen Energien oder mit erneuerbarem Strom?

Das Umdenken braucht anscheinend immer noch seine Zeit.