Hier kommt die Sonne


Wie die Bundesnetzagentur auf ihrer Webseite berichtet, sind im Dezember 2015 rund 145 MWp an PV-Leistung in Betrieb genommen worden. Damit sind im gesamten Jahr 2015 nach den Zahlen der BNetzA knapp 1.456 MWp PV-Leistung installiert worden:

zubau

Wie kritische Stimmen zurecht anmerken, liegt dieser Zubau deutlich unterhalb des Zielkorridors von  2.400 bis 2.600 Megawatt pro Jahr, vgl. § 31 Abs.1 EEG. Allerdings liegt dieser Wert an installierter PV-Leistung wiederum über dem Wert an stillgelegter, konventionieller Kraftwerkskapazität in 2015 (abzüglich des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld), wie die Liste der BNetzA zeigt:

kraftwerke

Und selbst die mit dem kommenden Strommarktgesetz geplanten Stilllegungen der Braunkohlekraftwerke (siehe S. 124), verblassen deutlich vor diesem Zubau, denn die jährlichen Stillegungen belaufen sich auf deutlich unter 1.000 MW:

braunkohle

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Die eiskalten Bremer


Man könnte glauben, dass die Feststellung, die Energiewende umfasse die Bereiche Strom, Wärme und Mobilität, sei mittlerweile so etwas wie ein Allgemeinplatz geworden. Jeder habe verstanden, dass der CO2-Ausstoß verringert werden muss und ein entsprechender Umbau der Energieversorgung notwendig ist.

Doch es scheint, als tanzten die Bremer zu einer etwas anderen Melodie: Im Bremischen Energiegesetz (BremEG) ist in § 19 tatsächlich der Neueinbau von elektrischen Heizungen verboten.

Eine Frage, liebe Bremer: Wenn wir dann in den kommenden Jahren die Stromerzeugung sukzessive auf Erneuerbare umgestellt haben, wie wollen Sie dann heizen – mit fossilen Energien oder mit erneuerbarem Strom?

Das Umdenken braucht anscheinend immer noch seine Zeit.

All Your EEG Belong To Us


Am Dienstag, dem 01. Juli 2014, 9 Uhr wird der  Europäische Gerichtshof in der Sache C-573/12 („Ålands Vindkraft“) ein Urteil verkünden. In dem Vorabentscheidungsersuchen eines schwedischen Verwaltungsgerichts geht es um die Frage, ob ein finnischer Windenergierzeuger (der in diesem Fall auch Zugang zum schwedischen Vertelnetz hat) Anspruch auf schwedische Grünstromzertifikate hat. Die schwedische Gesetzesregelung sieht dies nicht vor.

Der EuGH folgt in etwa 75% der Fälle den Schlussanträgen des Generalanwalts. Der hat in diesem Fall – aus deutscher Sicht – durchaus brisante Schlussanträge gestellt:

2.      Art. 34 AEUV steht einer nationalen Regelung, wonach Erzeugern von Strom aus erneuerbaren Energiequellen grüne Zertifikate erteilt werden, von denen Stromversorger und bestimmte Nutzer obligatorisch eine bestimmte Quote nach Maßgabe der von ihnen gelieferten oder verbrauchten Gesamtstrommenge zu erwerben haben, entgegen, soweit nach diesen nationalen Vorschriften Erzeuger von der Förderregelung ausgeschlossen sind, deren Anlagen im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats belegen sind.

3.      Art. 3 Abs. 3 der Richtlinie 2009/28 ist ungültig, soweit er den Mitgliedstaaten die Befugnis verleiht, Erzeugern, deren Anlagen zur Erzeugung von Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Hoheitsgebiet eines anderen Mitgliedstaats belegen sind, den Zugang zu ihren Förderregelungen zu versagen oder den Zugang dieser Erzeuger zu ihren Förderregelungen zu beschränken.

4.      Diese Ungültigkeit wird zwei Jahre nach der Verkündung des vorliegenden Urteils wirksam.

 

Zwar haben wir in Deutschland mit dem EEG kein Quotensystem zur Förderung Erneuerbarer Energien, sondern ein System, das (derzeit) auf Einspeisetarifen basiert.  Dennoch wird mit Blick auf die Nr. 3 der Schlussanträge deutlich, dass von diesem Urteil auch massive Konsequenzen für das deutsche EEG ausgehen könnten. Am 01. Juli 2014 wissen wir mehr.

eeg

Don’t let the sun go down on me


Ich bin hier (PDF) auf eine interessante und leider auch alarmierende Präsentation des Fraunhofer ISIS gestoßen. Auf Seite 48 findet sich folgende Folie:

Solarprognose

Wie man anhand der Daten sehen kann, ist der Prognosefehler im Bereich Solar erheblich. Dies verwundert umso mehr, da aufgrund von Wetterdaten und der Kennntis über die installierte Leistung eine gute Prognose der Solarproduktion möglich ist.

Wer ist für diese Prognose zuständig?

Die Daten (PDF) der Übertragungsnetzbetreiber zeigen, dass im Jahr 2013 lediglich 4.200 MW der installierten PV-Leistung in der Direktvermarktung angemeldet waren. Wie der Name schon andeutet, ist bei der Direktvermarktung der Anlagenbetreiber (bzw. der von ihm beauftragte Direktvermarkter) für die Vermarktung des erzeugten Stroms und damit auch für die Prognose der Erzeugung verantwortlich. Die gesamte installierte PV-Leistung betrug in 2013 jedoch rund 35.700 MW, d.h. mehr als 30.00 MW an Leistung werden vom örtlichen Verteilnetzbetreiber abgenommen und müssen daher auch von diesem prognostiziert werden.

Hier besteht also dringender Handlungsbedarf, denn ohne eine gute Prognose der Erzeugung steigt der Regelenergiebedarf auf der Übertragungsnetzebene. Dies bedeutet höhere Kosten, die in die Netzentgelte einfließen, und nicht zuletzt auch steigende Black-Out-Risiken. Große Direktvermarkter nutzen bereits Prognosedienstleister, die anhand von Wetterdaten optimierte Erzeugungsprognosen erstellen. Gleiches wird man auch von den Verteilnetzbetreibern erwarten dürfen, zumal wenn der Anteil an der EEG-Erzeugung bereits 25% liegt.

 

 

Vom Schein und Sein


Hier ein Urteil des Landgerichts Berlin vom 08. Mai 2012, Az. 91 O 47/12, in dem es um die Abgrenzung von „echtem“ Energie-Contracting und sogenanntem „Schein-Contracting“ geht. Das Gericht stellt dabei auf die tatsächlichen Umstände der Erbringung der Energiedienstleistung (und nicht auf etwaige vertragliche Vereinbarungen) ab:

Von dem förderungswürdigen Energie-Contracting ist das Schein-Contracting zu unterscheiden, das dadurch geprägt ist, dass Energieeffizienzgewinne ausbleiben. Hierbei erfolgt die Auslagerung der Energieversorgung nur auf dem Papier auf den Contractor, während der tatsächliche Anlagenbetrieb durch den Letztverbraucher selbst vorgenommen wird, einziger Zweck dieser Verträge ist die Generierung von Steuervorteilen.

Da maßgebliche Contracting-Vorschriften, wie etwa § 41 EEG oder auch § 10 StromStG, genau dies (Maßnahmen zur Verminderung des Energieverbrauchs bzw. ein Energiemangementsystem) fordern, ist der Entscheidung des Landgerichts zuzustimmen, entspricht sie doch der Intention des Gesetzgebers.

Beim Lesen der Entscheidung gewinnt man zudem den Eindruck, dass das Gericht einigermaßen erbost über das Ansinnen des Antragstellers war. Anders ist die teilweise doch recht harsche Wortwahl kaum zu erklären.