Kettenraucher Deutschland


Im Zuge der Koalitionsverhandlungen ist der Ausstieg aus der heimischen Braunkohle wieder zu einem Thema geworden, könnte die Koalitionsbildung doch genau an diesem Thema scheitern.

Und zwischen Wunsch und Wirklichkeit der Energiewende offenbart sich ein Konflikt von Shakespearischem Ausmaß: Der Energiewende-Musterschüler Deutschland raucht – und zwar das schmutzige Zeug!

Es ist ein offenes Geheimnis, dass niemand so viel Braunkohle fördert und verbrennt wie Deutschland. Die Energiestudie 2016 des BGR (PDF, S. 53) führt dazu aus:

Deutschland, welches gegenüber dem Vorjahr die heimische Förderung nur geringfügig verringerte (minus 0,06 %), war mit einem Anteil von 17,6 % (178 Mt) der größte Weichbraunkohlenproduzent vor China (13,8 %) und der Russischen Föderation (7,2 %).

Der Grund hierfür sind die nach wie vor unschlagbar günstigen Kosten der Braunkohleverstromung. Mit durchschnittlich 4,4 Cent/kWh Stromgestehungskosten war die Braunkohle in 2014 (vgl. Studie zur Umrüstbarkeit von kohlbefeuerten Kraftwerksanlagen, Shell, S. 22) klarer Kostensieger unter den Energieträgern und dürfte es auch im Jahr 2017 sein.

Mit der vielbesungenen Systemdienlichkeit (oder gar Systemnotwendigkeit) der Braunkohlekraftwerke ist es hingegen nicht sehr weit. Die Braunkohlekraftwerke stellen 8,7 % der installierten Stromerzeugung in Deutschland dar, während Deutschland jedes Jahr mehr als 10 % des erzeugten Stroms exportiert. Gleichzeitig werden die ungleich CO2-ärmeren Gaskraftwerke, die flexibel auf Angebot und Nachfrage reagieren können, eingemottet.

Schaut man sich die konkrete CO2-Bilanz der Kraftwerke an, wird schnell deutlich, welchen Treibhausgasluxus Deutschland sich hier leistet.

Quellen: Die Kraftwerksliste der Bundesnetzagentur, Stand: 31.03.2017, sowie die Daten des PRTR für das Jahr 2015.

Die historischen Daten des Umweltbundesamtes (PDF) für die Treibhausgasemissionen Deutschlands zeigen eindrucksvoll die Bedeutung des Braunkohleausstiegs. Im Jahr 2015 hat Deutschland rund 792.798 tausend t CO2 ausgestoßen. Die oben aufgeführten Braunkohlekraftwerke sind somit für 16,9 % der gesamten CO2-Emissionen Deutschlands im Jahr 2015 verantwortlich.

Mit anderen Worten: Ohne den Ausstieg aus der Braunkohle ist das deutsche Klimaziel für das Jahr 2020 nicht zu halten.

Der Ausstieg aus der Braunkohle wird umso dringlicher, als dass der Ausstieg allein nicht reichen wird, um das Klimaziel für das Jahr 2020 zu erreichen. Eine Reduktion der CO2-Emissionen des Jahres 1990 um 40 % bedeutet einen Ausstoß von 631.362 tausend t CO2. Demgegenüber stehen 792.798 tausend t CO2 im Jahr 2015. Zieht man hiervon noch die CO2-Emissionen der Braunkohlekraftwerke ab, führte dies rein rechnerisch in Summe zu einer Reduktion des CO2-Ausstoßes um 37,4 %.

Die konkrete und rechtssichere Ausgestaltung des Braunkohleausstiegs ist anspruchsvoll und natürlich müssen die vom Strukturwandel betroffenen Regionen echte Alternativen und Zukunftsperspektiven aufgezeigt bekommen. Dazu gehören auch staatliche Beihilfen, die dazu dienen, wirtschaftliche  Härten in den Regionen zu vermeiden und neue Wirtschaftszweige anzusiedeln. In einem Beitrag vom 05. Juli 2017 zitiert „Spiegel Online“ eine Studie, wonach seit der Wiedervereinigung die Zahl der Arbeitsplätze in der Braunkohlewirtschaft  „von mehr als 115.000 auf nur noch knapp 20.000“ gefallen sei. Es geht also nicht darum, einen Strukturwandel einzuleiten, sondern den  seit langem stattfindenden Strukturwandel weiter zu begleiten und erfolgreich zu gestalten.

Die Koalitionsverhandlungen sollten daher nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ eines Braunkohleausstiegs zum Inhalt haben.

Es ist Zeit, das Rauchen aufzugeben.

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Aufbau der Stromtankstellen kommt (nicht) voran


Heute hat der BDEW die neuen Zahlen zum Ausbau der öffentlichen Ladepunkte veröfffentlicht und im Vergleich zum Jahreswechsel sind knapp 700 Ladepunkte hinzugekommen. Damit hören die guten Nachrichten leider auch schon auf.  Der Ausbau kommt zwar zahlenmäßig voran, aber der Bedarf wird bei weitem noch nicht gedeckt. Im Gegenteil: Der Ausbau verlangsamt sich weiter, denn es müssen sich immer mehr E-Fahrzeuge einen Ladepunkt teilen.

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Waren es 2014 noch vier Fahrzeuge pro Ladepunkt, kommen nun auf einen Ladepunkt bereits mehr als 9 Fahrzeuge. Wie ein Bericht der New York Times zeigt, führt ein Verhältnis von 10:1 bereits zu Rangeleien an den Ladepunkten.

Auch das angekündigte Subventionsprogramm der Bundesregierung wird hier nur punktuell eine Entlastung bringen, denn in den Oligopolmarkt der Ladepunkte kommt nur durch Regulierung oder komplette staatliche Finanzierung Bewegung. Wären die öffentlichen Ladepunkte auch gesetzlich Teil des Stromnetzes, wäre ein zügiger Ausbau der Ladepunkte und eine angemessene Finanzierung möglich, genau wie beim Stromnetz auch.

Ohne diese Weichenstellung wird der Ausbau jedoch weiterhin stocken und Deutschland beim Thema Elektromobilität weiter auf der Stelle treten. Die Elektromobilität ist eine Säule der Energiewende und sollte daher auch in rechtlicher Hinsicht wie ein Teil der Energiewende behandelt werden.  Wie dies konkret aussehen könnte, ist hier (Link zu Amazon) im Detail beschrieben.

E-Mobilität in Deutschland beschleunigen


Die Kaufprämie für E-Fahrzeuge ist gestartet, aber das Echo ist eher verhalten. Rund 1.000 Anträge wurden bisher gestellt, ein Ansturm sieht sicher anders aus. Neben dem Fehlen von attraktiven E-Fahrzeugen zu angemessenen Preisen, hapert es jedoch auch bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur. Nach den Zahlen des BDEW gab es zum Jahresende 2015 gerade einmal 5.836 Ladepunkte. Zum Vergleich: Deutschland hat über 15.000 Tankstellen.

Ich habe nach den Grundsätzen der Wohlfahrtsökonomik das Thema Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur untersucht und die öffentliche Ladeinfrastruktur zeigt danach deutliche Anzeichen von Marktversagen. Ein Oligopol der Anbieter sorgt für überhöhte Preise, erschwerte Zugangsbedingungen für Kunden und Lieferanten und einen stagnierenden Ausbau der Infrastruktur. Diese Problemfelder lassen sich letztlich nur durch Regulierung, wie sie auch im Bereich der Telekommunikations- und Energienetze notwendig ist, lösen.

Die Problemfelder und die Lösung , wie man der E-Mobilität in Deutschland besser zum Durchbruch verhelfen kann,  sind in meinem neuen Buch (Link zu Amazon) detailliert dargestellt:

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The Model 3 by Tesla Motors will probably be sold out by April 1st


I am one of the people, who went to a Tesla Store today and reserved a car, which i haven’t even seen yet and  which will be delivered in Europe not until 2018. And i laid down 1,000 EUR as a (refundable) reservation charge. There are about 220 Tesla Stores worldwide and seeing the lines at the stores i would guess at least 100 people per store will reserve a Model 3 today. So as of today we are looking at 22,000 reservations for the Model 3, maybe even more than that. Starting with the unveiling event at 8:30 pm (pacific time) the online ordering process for the Model 3 will go live and i am guessing (it’s a wild guess) that Tesla could add another 100,000 online reservations during the event itself . With the current production capacity of Model S and X at 50,000 units per year, i would expect a starting production capacity for the Model 3 at 100,000 units at best. So if you are thinking about ordering a Tesla Model 3 better be quick, some other people want that car, too.

Here are some pics from around the world:

https://twitter.com/amynpirani/status/715551420812959744

Looks like this is the KODAK-Moment for the automotive sector after all. Exciting times.

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Hier kommt die Sonne


Wie die Bundesnetzagentur auf ihrer Webseite berichtet, sind im Dezember 2015 rund 145 MWp an PV-Leistung in Betrieb genommen worden. Damit sind im gesamten Jahr 2015 nach den Zahlen der BNetzA knapp 1.456 MWp PV-Leistung installiert worden:

zubau

Wie kritische Stimmen zurecht anmerken, liegt dieser Zubau deutlich unterhalb des Zielkorridors von  2.400 bis 2.600 Megawatt pro Jahr, vgl. § 31 Abs.1 EEG. Allerdings liegt dieser Wert an installierter PV-Leistung wiederum über dem Wert an stillgelegter, konventionieller Kraftwerkskapazität in 2015 (abzüglich des Kernkraftwerks Grafenrheinfeld), wie die Liste der BNetzA zeigt:

kraftwerke

Und selbst die mit dem kommenden Strommarktgesetz geplanten Stilllegungen der Braunkohlekraftwerke (siehe S. 124), verblassen deutlich vor diesem Zubau, denn die jährlichen Stillegungen belaufen sich auf deutlich unter 1.000 MW:

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