Keine Geschäftsgeheimnisse im natürlichen Monopol


Lange Zeit war die EEG-Umlage als einer der Treiber für die Strompreise von Letztverbrauchern im Fokus. Kein Wunder, machte die EEG-Umlage doch im Jahr 2014 bereits 22 % des Strompreises aus:

Corporate Design; Barriefreiheit

Quelle: Bundesnetzagentur, Monitoringbericht 2014, S. 167

Der Anteil der Netzentgelte am Strompreis lag im Jahr 2014 noch bei 22,7 % (Nettonetzentgelt plus Entgelt für Abrechnung, Messung und Messstellenbetrieb) und hat nun mittlerweile die 25 %-Schwelle vielfach schon überschritten.

Doch während die Ermittlung der EEG-Umlage transparent und nachvollziehbar erfolgt (die Daten sind auf http://www.netztransparenz.de einsehbar), sind die Netzentgelte eine einzige Blackbox. Netzentgelte werden durch die Bundesnetzagentur und die Landesregulierungsbehörden genehmigt, aber eine Veröffentlichung dieser Genehmigungen erfolgt – anders als in § 74 EnWG vorgeschrieben – nur gelegentlich und selbst dann nur mit geschwärzten Zahlen, so z.B.:

bescheid

Dieser intransparenten Praxis hat nun das Verwaltungsgericht Köln einen Riegel vorgeschoben und in einem Urteil (Link) angeordnet, dass die Bundesnetzagentur entsprechende Unterlagen – ohne Schwärzungen – veröffentlichen muss. So führt das Gericht richtigerweise aus:

Es bestehe im Fall der Beigeladenen ein sog. natürliches Monopol. In diesem Fall existiere keine wirkliche Wettbewerbssituation.

Netznutzer und Letztverbraucher können also in Zukunft nachprüfen, wie sich der größte Kostenblock des Strompreises zusammensetzt.

Was nicht erwähnt wird


Die Bundesnetzagentur hat ihren Bericht (PDF) zur Evaluierung der Anreizregulierungsverordnung (ARegV) veröffentlicht. Die ARegV legt fest, wie die Netzentgelte für die Strom- und Gasnetze gebildet werden. Die Vorschrift ist deshalb so wichtig, weil sie maßgeblich für die Höhe der Netzentgelte ist und gleichzeitig auch den Rahmen der Gewinnmöglichkeiten der Netzbetreiber bildet. Netzentgelte hatten in 2014 durchschnittlich einen Anteil von 22% am Strompreis für Haushaltskunden (siehe BNetzA-Monitoringbericht 2014, S. 170).

Der Bericht der Bundesnetzagentur enthält viele wertvolle Erkenntnisse und auch wichtige Verbesserungsvorschläge, aber eine Erkenntnis ist außen vor geblieben:

Die Netzbetreiber haben in den letzten Jahren außerordentlich gut verdient.

Eine Auswertung des DIW Econ im Auftrag der BNetzA (Folie hier) zeigt sehr auskömmliche Renditen:

2015/01/img_5432-0.png

Die Grafik ist als solche schon auf den ersten Blick beeindruckend, aber zwei Dinge sind zusätzlich zu berücksichtigen:

Zum Einen sind die statistischen Ausreißer entfernt worden und zum Anderen wird nur das arithmetische Mittel dargestellt. Dies bedeutet, dass es Netzbetreiber in den Bereichen Strom und Gas gibt, die in den letzten Jahren deutlich mehr als 25% Eigenkapitalrendite erzielt haben. Ein Wert, für den Herr Ackermann als CEO der Deutschen Bank noch heftig kritisiert worden ist.

Ob derartige Renditen in einem regulierten Sektor angemessen sind, bedarf mE der wissenschaftlichen Diskussion. Die gute Nachricht: Die Transparenzvorschläge der BNetzA können die Basis für einen solchen wissenschaftlichen Diskurs schaffen.

…denn sie wissen nicht, was sie tun


Das Wehklagen über die geringe Rendite im Energieversorgungsnetz geht weiter:

Am 06. Juli 2011 hat der BDEW (nur für seine Mitgliedsunternehmen) ein Gutachten von Herrn Prof. Dr. Büdenbender veröffentlicht. Das Gutachten selbst habe ich noch nicht studieren können (kein Mitglied im BDEW…), aber die Mitteilung auf der Homepage vom BDEW spricht Bände:

So führten etwa die Begrenzung der Eigenkapitalquote auf 40 Prozent, das Fehlen eines Wagniszuschlages für Fremdkapital in der bisherigen Praxis der Regulierungsbehörden, der generelle sektorale Produktivitätsfaktor, die fehlende Anerkennung von Kosten durch die Regulierungsbehörden im Widerspruch zur höchstrichterlichen Rechtsprechung des BGH, eine fehlende oder begrenzte Anpassung von Differenzen zwischen Prognosewerten und tatsächlichen Werten hinsichtlich der Erlöse aus Netzentgelten zulasten der Netzbetreiber sowie schließlich die nur zeitversetzte Anerkennung von Investitionskosten bei der Bestimmung des Ausgangsniveaus für die Ermittlung der Erlösobergrenze zu der Abweichung zwischen normativ bestimmter und wirklicher Eigenkapitalbasis.

Ohne inhaltlich (jetzt) darauf eingehen zu wollen: Das Gutachten kommt etwas spät. Die Masse der geforderten Änderungen (in fett gedruckt) ist längst durchgesetzt worden und mittlerweile gängige Regulierungspraxis!

Netzbetreiber können also in jedem Fall die nominelle Rendite von 9,29% erzielen. Was davon zu halten ist, können Sie hier lesen. Oder einfach mal Ihren Bankberater fragen. Ich verspreche Ihnen, er wird glänzende Augen bekommen.

Für eine Handvoll Dollar Euro mehr


Ich hatte in dem gestrigen Artikel auf Forderungen der Netzbetreiber verwiesen, wonach (angeblich) die Eigenkapitalverzinsung steigen müsste, um notwendige Investitionen in deutsche Strom- und Gasnetze auf den Weg zu bringen.

Ein Blick auf jüngste Verkaufsprozesse zeigt jedoch deutlich das tatsächlich vorhandene Investoreninteresse an deutschen Energieversorgungsnetzen auf:

Interessanterweise erfolgten alle Übernahmen zum alten Regulierungsrahmen.

Die derzeit geltende Rendite war/ist offensichtlich so ansprechend, dass ein Bieterwettbewerb statt fand. Entgegen den Behauptungen des BDEW, ist die derzeitige Rendite also mehr als ausreichend.

Gleiches gilt für die Verteilnetzebene, wo der Trend zur Rekommunalisierung ungebrochen ist. Aber das ist Stoff für einen separaten Artikel.