Was nicht erwähnt wird


Die Bundesnetzagentur hat ihren Bericht (PDF) zur Evaluierung der Anreizregulierungsverordnung (ARegV) veröffentlicht. Die ARegV legt fest, wie die Netzentgelte für die Strom- und Gasnetze gebildet werden. Die Vorschrift ist deshalb so wichtig, weil sie maßgeblich für die Höhe der Netzentgelte ist und gleichzeitig auch den Rahmen der Gewinnmöglichkeiten der Netzbetreiber bildet. Netzentgelte hatten in 2014 durchschnittlich einen Anteil von 22% am Strompreis für Haushaltskunden (siehe BNetzA-Monitoringbericht 2014, S. 170).

Der Bericht der Bundesnetzagentur enthält viele wertvolle Erkenntnisse und auch wichtige Verbesserungsvorschläge, aber eine Erkenntnis ist außen vor geblieben:

Die Netzbetreiber haben in den letzten Jahren außerordentlich gut verdient.

Eine Auswertung des DIW Econ im Auftrag der BNetzA (Folie hier) zeigt sehr auskömmliche Renditen:

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Die Grafik ist als solche schon auf den ersten Blick beeindruckend, aber zwei Dinge sind zusätzlich zu berücksichtigen:

Zum Einen sind die statistischen Ausreißer entfernt worden und zum Anderen wird nur das arithmetische Mittel dargestellt. Dies bedeutet, dass es Netzbetreiber in den Bereichen Strom und Gas gibt, die in den letzten Jahren deutlich mehr als 25% Eigenkapitalrendite erzielt haben. Ein Wert, für den Herr Ackermann als CEO der Deutschen Bank noch heftig kritisiert worden ist.

Ob derartige Renditen in einem regulierten Sektor angemessen sind, bedarf mE der wissenschaftlichen Diskussion. Die gute Nachricht: Die Transparenzvorschläge der BNetzA können die Basis für einen solchen wissenschaftlichen Diskurs schaffen.

Tennet reicht den Bürgern die Hand


Und die Hand ist mit Geld gefüllt! Ein bisschen jedenfalls.

Nach einer Meldung von SPON wird Tennet zukünftig die finanzielle Beteiligung von Bürgern an der Westleitung von Brunsbüttel nach Niebull ermöglichen. Was steckt dahinter?

Die Westleitung ist im Netzentwicklungsplan als wichtiges Vorhaben bestätigt worden und soll als Vorhaben Nr. 8 Teil des Bundesbedarfsplanes werden (weitere Informationen dazu finden Sie auf www.netzausbau.de). Das Projekt – es geht um eine 380-Kilovolt-Trasse, also eine Höchstspannungsleitung – ist vor Ort sehr umstritten, eine Bürgerinitiative hat sich formiert. Inhaltlich geht es u.a. um die Themen Trassenführung und ob Erdkabel statt Freileitungen verwendet werden sollen.

Es ist fraglich, ob sich der harte Kern des Widerstands vom Angebot einer finanziellen Beteiligung beeinflussen läßt, aber insgesamt betrachtet bietet dieses Modell durchaus einen interessanten Ansatz der Teilhabe an der Energiewende.

Tennet schreibt auf der eigenen Homepage, dass die Genehmigung der Finanzregulierungsbehörde noch ausstehe, aber dass eine Verzinsung von 4,5 bis 5 % vorgesehen sei und dass die Höhe der Bürgerbeteiligung 40 Millionen Euro betragen könne, maximal aber 15 Prozent des Investitionsbudgets.

Die Verzinsungshöhe (und auch die Deckelung auf 15% des Investitionsbudgets) spricht dafür, dass die Bürgerbeteiligung von Tennet wohl als Eigenkapital bei der Genehmigung der Investitionsmaßnahme gemäß § 23 ARegV geltend gemacht werden sollen. Genau wird man dies erst bei Vorlage der konkreten Finanzierungsinstrumente (werden vermutlich Genussscheine sein) sagen können. Formell handelt es sich zunächst erst einmal um Hybridkapital, dass je nach Ausgestaltung der Finanzierungbedingungen (z.B. hinsichtlich der Kündigungsfrist, der Gewinnausschüttungsregelungen, der Haftungsregelungen und der Rangfolge) als Eigen- oder auch Fremdkapital zu bilanzieren ist.

Für die Geltendmachung als Eigenkapital spricht zunächst die Zinshöhe. Die anvisierte Zinshöhe entspricht dem Maximum, was Tennet wohl als Fremdkapitalkosten geltend machen könnte. Aus unternehmerischer Sicht wird Tennet aber einen internen Risikoaufschlag auf den Zinssatz vornehmen (und sei es nur für die Kosten der Verwaltung und der Ausgabe der Wertpapiere), so dass ich eine Geltendmachung als Fremdkapital für unwahrscheinlich halte. Für Eigenkapital kann Tennet hingegen 9,05% Zinsen ansetzen. Dies bedeutet also eine Zinsdifferenz von mehr als 4% und das dürfte sehr attraktiv für Tennet sein (das wäre dann ein klassisches Beispiel für den Leverage-Effekt).

Auch die Deckelung der Beteiligung auf maximal 15% des Investitionsbudgets spricht dafür: Tennet kann bis zu 40% des Kapitals als Eigenkapital ansetzen und verzinsen und dementsprechend 60% als Fremdkapital. Sollte die Bürgerbeteiligung als Fremdkapital genutzt werden, bedürfte es kaum der Begrenzung auf 15%. Beim Eigenkapital bleibt es durch die Begrenzung auf 15% somit aber bei einer Minderbeteiligung.

Sofern die Schlussfolgerungen stimmen, bietet sich also den Bürgern hier ein interessantes Investment, wenngleich nicht verkannt werden darf, dass Tennet in diesem Fall ebenfalls ein außerordentlich gutes Geschäft über die Zinsdifferenz macht.

…denn sie wissen nicht, was sie tun


Das Wehklagen über die geringe Rendite im Energieversorgungsnetz geht weiter:

Am 06. Juli 2011 hat der BDEW (nur für seine Mitgliedsunternehmen) ein Gutachten von Herrn Prof. Dr. Büdenbender veröffentlicht. Das Gutachten selbst habe ich noch nicht studieren können (kein Mitglied im BDEW…), aber die Mitteilung auf der Homepage vom BDEW spricht Bände:

So führten etwa die Begrenzung der Eigenkapitalquote auf 40 Prozent, das Fehlen eines Wagniszuschlages für Fremdkapital in der bisherigen Praxis der Regulierungsbehörden, der generelle sektorale Produktivitätsfaktor, die fehlende Anerkennung von Kosten durch die Regulierungsbehörden im Widerspruch zur höchstrichterlichen Rechtsprechung des BGH, eine fehlende oder begrenzte Anpassung von Differenzen zwischen Prognosewerten und tatsächlichen Werten hinsichtlich der Erlöse aus Netzentgelten zulasten der Netzbetreiber sowie schließlich die nur zeitversetzte Anerkennung von Investitionskosten bei der Bestimmung des Ausgangsniveaus für die Ermittlung der Erlösobergrenze zu der Abweichung zwischen normativ bestimmter und wirklicher Eigenkapitalbasis.

Ohne inhaltlich (jetzt) darauf eingehen zu wollen: Das Gutachten kommt etwas spät. Die Masse der geforderten Änderungen (in fett gedruckt) ist längst durchgesetzt worden und mittlerweile gängige Regulierungspraxis!

Netzbetreiber können also in jedem Fall die nominelle Rendite von 9,29% erzielen. Was davon zu halten ist, können Sie hier lesen. Oder einfach mal Ihren Bankberater fragen. Ich verspreche Ihnen, er wird glänzende Augen bekommen.

Für eine Handvoll Dollar Euro mehr


Ich hatte in dem gestrigen Artikel auf Forderungen der Netzbetreiber verwiesen, wonach (angeblich) die Eigenkapitalverzinsung steigen müsste, um notwendige Investitionen in deutsche Strom- und Gasnetze auf den Weg zu bringen.

Ein Blick auf jüngste Verkaufsprozesse zeigt jedoch deutlich das tatsächlich vorhandene Investoreninteresse an deutschen Energieversorgungsnetzen auf:

Interessanterweise erfolgten alle Übernahmen zum alten Regulierungsrahmen.

Die derzeit geltende Rendite war/ist offensichtlich so ansprechend, dass ein Bieterwettbewerb statt fand. Entgegen den Behauptungen des BDEW, ist die derzeitige Rendite also mehr als ausreichend.

Gleiches gilt für die Verteilnetzebene, wo der Trend zur Rekommunalisierung ungebrochen ist. Aber das ist Stoff für einen separaten Artikel.

Fehlende Investitionsanreize in deutsche Energienetze?


Die Herausforderungen mit Blick auf die Energiewende sind enorm. Die deutsche Energieversorgung steht vor einem Paradigmenwechsel: Weg von großen Kraftwerken, hin zu vielen kleineren, dezentralen Erzeugungseinheiten.

Doch findet Deutschland genügend Investoren für den notwendigen Umbau des deutschen Stromnetzes?

Anfang Juli ließ der BDEW über das Handelsblatt verlauten, dass die Renditen, die mit deutschen Energienetzen verdient werden (dürfen), im europäischen Vergleich unterdurchschnittlich seien. Hildegard Müller, Hauptgeschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) wird vom Handelsblatt mit den Worten zitiert:

„Wenn wir die Energiewende schaffen wollen, müssen sich die Investitionsbedinungen verbessern.“

Und weiter:

„Die Bundesnetzagentur sollte dies bei der neuen Festlegung der Zinssätze für die Gasnetze im Herbst und später auch für die Stromnetze unbedingt berücksichtigen.“

Mehr Geld wird also verlangt. Immerhin für den Betrieb eines natürlichen Monopols (keine Auslastungsrisiken, keine Währungsrisiken, usw.).

Zeit für einen Blick auf den aktuellen Stand: 9,29 % ist die derzeit geltende Eigenkapitalverzinsung für Neuanlagen für Strom- und Gasnetze in Deutschland. Nominell. Tatsächlich liegt die erreichbare Verzinsung deutlich über 11 %, wie auch die Bundesnetzagentur einräumt:

Das, so die Klage der Netzbetreiber, sei zu wenig, um das Investoreninteresse für deutsche Energieversorgungsnetze zu wecken.

Interessanterweise hat sich der Gesetzgeber schon dazu positioniert, wie hoch die Rendite sein soll, nämlich in § 21 Abs. 2 EnWG:

„Die Entgelte werden auf der Grundlage der Kosten einer Betriebsführung, die denen eines effizienten und strukturell vergleichbaren Netzbetreibers entsprechen müssen, unter Berücksichtigung von Anreizen für eine effiziente Leistungserbringung und einer angemessenen, wettbewerbsfähigen und risikoangepassten Verzinsung des eingesetzten Kapitals gebildet,…“

Die Frage der angemessen und risikoangepassten Verzinsung ist wiederum in § 7 Abs. 5 StromNEV aufgegriffen und näher erläutert worden: So sind unter anderem die

„Verhältnisse auf den nationalen und internationalen Kapitalmärkten“

zu berücksichtigen.

Werfen wir also einen Blick auf den Kapitalmarkt:

Ja, Sie sehen richtig: Am Kapitalmarkt bekommen Sie eine vergleichbare Rendite, wenn Sie in diese Griechenland-Anleihe investieren – mit einem „CC“-Rating von Standard&Poors, mithin also eine sogenannte Ramsch- oder Schrottanleihe („junk bonds“). Mit einem Ausfallrisiko, dass der Markt derzeit über 50% einschätzt.

Jeder Netzbetreiber protestierte wahrscheinlich auf das Heftigste, wollte man ihm unterstellen, er habe ein Insolvenzrisiko von über 50%. Im Gegenteil: Soweit Netzbetreiber über ein Rating verfügen, ist dieses üblicherweise ein „A“-Rating („investment grade“), vgl. Amprion oder auch Tennet.

Es bleibt also festzuhalten, dass die derzeitige Verzinsung mit Blick auf den Kapitalmarkt mehr als angemessen ist. Für eine Erhöhung ist angesichts dieser Kapitalmarktdaten sicher kein Raum.