Tennet reicht den Bürgern die Hand


Und die Hand ist mit Geld gefüllt! Ein bisschen jedenfalls.

Nach einer Meldung von SPON wird Tennet zukünftig die finanzielle Beteiligung von Bürgern an der Westleitung von Brunsbüttel nach Niebull ermöglichen. Was steckt dahinter?

Die Westleitung ist im Netzentwicklungsplan als wichtiges Vorhaben bestätigt worden und soll als Vorhaben Nr. 8 Teil des Bundesbedarfsplanes werden (weitere Informationen dazu finden Sie auf www.netzausbau.de). Das Projekt – es geht um eine 380-Kilovolt-Trasse, also eine Höchstspannungsleitung – ist vor Ort sehr umstritten, eine Bürgerinitiative hat sich formiert. Inhaltlich geht es u.a. um die Themen Trassenführung und ob Erdkabel statt Freileitungen verwendet werden sollen.

Es ist fraglich, ob sich der harte Kern des Widerstands vom Angebot einer finanziellen Beteiligung beeinflussen läßt, aber insgesamt betrachtet bietet dieses Modell durchaus einen interessanten Ansatz der Teilhabe an der Energiewende.

Tennet schreibt auf der eigenen Homepage, dass die Genehmigung der Finanzregulierungsbehörde noch ausstehe, aber dass eine Verzinsung von 4,5 bis 5 % vorgesehen sei und dass die Höhe der Bürgerbeteiligung 40 Millionen Euro betragen könne, maximal aber 15 Prozent des Investitionsbudgets.

Die Verzinsungshöhe (und auch die Deckelung auf 15% des Investitionsbudgets) spricht dafür, dass die Bürgerbeteiligung von Tennet wohl als Eigenkapital bei der Genehmigung der Investitionsmaßnahme gemäß § 23 ARegV geltend gemacht werden sollen. Genau wird man dies erst bei Vorlage der konkreten Finanzierungsinstrumente (werden vermutlich Genussscheine sein) sagen können. Formell handelt es sich zunächst erst einmal um Hybridkapital, dass je nach Ausgestaltung der Finanzierungbedingungen (z.B. hinsichtlich der Kündigungsfrist, der Gewinnausschüttungsregelungen, der Haftungsregelungen und der Rangfolge) als Eigen- oder auch Fremdkapital zu bilanzieren ist.

Für die Geltendmachung als Eigenkapital spricht zunächst die Zinshöhe. Die anvisierte Zinshöhe entspricht dem Maximum, was Tennet wohl als Fremdkapitalkosten geltend machen könnte. Aus unternehmerischer Sicht wird Tennet aber einen internen Risikoaufschlag auf den Zinssatz vornehmen (und sei es nur für die Kosten der Verwaltung und der Ausgabe der Wertpapiere), so dass ich eine Geltendmachung als Fremdkapital für unwahrscheinlich halte. Für Eigenkapital kann Tennet hingegen 9,05% Zinsen ansetzen. Dies bedeutet also eine Zinsdifferenz von mehr als 4% und das dürfte sehr attraktiv für Tennet sein (das wäre dann ein klassisches Beispiel für den Leverage-Effekt).

Auch die Deckelung der Beteiligung auf maximal 15% des Investitionsbudgets spricht dafür: Tennet kann bis zu 40% des Kapitals als Eigenkapital ansetzen und verzinsen und dementsprechend 60% als Fremdkapital. Sollte die Bürgerbeteiligung als Fremdkapital genutzt werden, bedürfte es kaum der Begrenzung auf 15%. Beim Eigenkapital bleibt es durch die Begrenzung auf 15% somit aber bei einer Minderbeteiligung.

Sofern die Schlussfolgerungen stimmen, bietet sich also den Bürgern hier ein interessantes Investment, wenngleich nicht verkannt werden darf, dass Tennet in diesem Fall ebenfalls ein außerordentlich gutes Geschäft über die Zinsdifferenz macht.

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Ein Flughafen ist nicht genug


Der Berliner Energietisch hat am 14. Januar 2013 nun offiziell die Durchführung eines Volksbegehrens beantragt. Das Volksbegehren sieht eine komplette Rekommunalisierung des Berliner Stromnetzes sowie die Gründung eines Stadtwerkes vor.

Ausweislich der veröffentlichten Jahresabschlüsse der Vattenfall Europe Distribution Berlin GmbH beläuft sich das bilanzielle Anlagevermögen und somit der Buchwert des Berliner Stromnetzes auf rund eine Milliarde Euro. Ohne im Detail auf die (interessante) rechtswissenschaftliche Diskussion eingehen zu wollen, ob nun der Sachzeitwert oder der Ertragswert Anwendung finden muss, läßt sich π mal Daumen sagen, dass der Kaufpreis irgendwo in der Größenordnung liegen wird – vielleicht etwas mehr als eine Milliarde Euro, vielleicht etwas weniger. Es werden insoweit sicher nicht die von Vattenfall aufgerufenen 2,5 Milliarden Euro und sicher auch nicht die 400 Millionen Euro, die sich die Berliner Initiative vorstellt.

Mit Blick auf das Flughafendesaster BER (hier gehts zum Wikipedia-Artikel)  stellt sich die Frage, worauf die Annahme beruht, dass ein zukünftiges berlineigenes Stromnetz besser geplant und bewirtschaftet wird als der Flughafen. Sich bei der derzeitigen Haushaltslage in Berlin ein weiteres Milliardenprojekt auf kommunale Rechnung vornehmen zu wollen, ist…mutig?

Leti mille repente viae


Aus der Pressemitteilung von Tennet, die ja immerhin der Opener bei SPON (http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,798074,00.html) heute war:

„TenneT hat sich jetzt mit Schreiben an das Bundeskanzleramt, das Bundeswirtschaftsministerium und das Bundesumweltministerium gewendet. Das Unternehmen hat darüber informiert, dass die Errichtung von Anschlussleitungen für Offshore-Windparks in der Nordsee in der bisherigen Geschwindigkeit und Form nicht länger erstrebenswert und möglich ist. Gründe sind fehlende personelle, materielle und finanzielle Ressourcen aller Beteiligter, sowohl der Lieferanten als auch von TenneT“.

(Hervorhebung d.d. Verf.)

Da hilft § 4 EnWG weiter:  Danach kann die Bundesnetzagentur den Netzbetrieb untersagen oder andere geeignete Maßnahmen ergreifen, wenn der Netzbetreiber nicht

„die personelle, technische und wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und Zuverlässigkeit besitzt, um den Netzbetrieb entsprechend den Vorschriften dieses Gesetzes auf Dauer zu gewährleisten.“

(Hervorhebung d.d. Verf.)

Möge die Bundesnetzagentur zur Tat schreiten.

Netzentwicklungsplan 2012


Derzeit läuft bei der Bundesnetzagentur eine Konsultation zur Erstellung eines Netzentwicklungsplans nach § 12 a Abs. 2 EnWG (eine durchaus gelungene Neuerung des EnWG, wie ich finde). 

Dabei ist die interessierte Öffentlichkeit (ja, genau Sie) aufgerufen, bis zum 29. August 2011 eine Stellungnahme zum Szenariorahmen der 4 Übertragungsnetzbetreiber abzugeben.

Das Erstaunliche beim ersten Lesen des Szenariorahmens:

Für alle drei Szenarien wurden (bis auf bereits geplante Pumpspeicherkraftwerke) keine weiteren Speichermöglichkeiten in Deutschland angenommen. Dabei sollen doch nach den Vorstellungen der Bundesregierung bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf Deutschlands Straßen fahren (und diese Zahl bezieht sich nur auf Fahrzeuge von deutschen Herstellern). Wie man lesen kann, speichern derzeit verfügbare Automodelle um die 24 kWh. Das wäre dann ein nicht berücksichtigtes Speichervolumen von 24 GWh. Das entspricht dem Jahresstromverbrauch von rund 6.000 Familienhaushalten – eine Kleinstadt.